Succubus Blues – Roman von Richelle Mead

Rezension zum ersten Band der Sukkubus-Reihe um Georgina Kincaid

05.11.2009 Nicole Korzonnek

Endlich ist der erste Teil der Sukkubus-Reihe von Richelle Mead in Deutschland erschienen. Die pfiffige Story wird durch die missglückte Übersetzung aber leider verhunzt.

In den Vereinigten Staaten eroberte die 33-jährige Schriftstellerin Richelle Mead mit ihren bisher vier Mystery-Bänden um Sukkubus Georgina Kincaid die Bestsellerlisten der New York Times und USA Today. Nun soll sich dieser Erfolg auch hierzulande wiederholen. Ob das allerdings gelingt, ist fraglich. Zwar ist der Plot um den modernen Sukkubus und deren Dämonen-Freunden nach wie vor kurzweilig und unterhaltsam, aber die deutsche Übersetzung von Alfons Winkelmann ist an manchen Stellen derart holperig und unbeholfen, dass sie einem die Freude an der Geschichte wirklich vergällen kann.

Ein Sukkubus in Seattle

Vor über tausend Jahren verpfändete die Griechin Letha ihre Seele an den Teufel, damit ihre Mitmenschen ein durch sie verursachtes tragisches Ereignis vergessen konnten. Fortan ist Letha unsterblich und muss als Sukkubus für ihre Herrin Lilith Männer verführen und ihnen die Lebensenergie beim Sex rauben. Als dämonische Gestaltwandlerin erfüllt sie über die Jahrhunderte ihre Pflichten und lebt nun in der Gegenwart unter dem Namen Georgina Kincaid in Seattle. Dort ist sie dem Erzdämon Jerome unterstellt und arbeitet zur Tarnung als stellvertretende Geschäftsführerin in einer Buchhandlung. Ein absolut passender Job, denn Georgina ist eine richtige Leseratte. Als ihr Lieblingsschriftsteller Seth Mortensen eine Lesung in ihrem Laden hält, ist Georgina vollkommen aus dem Häuschen. Doch irgendwie gerät sie in seiner Gegenwart von einem Fettnäpfchen ins nächste. Eine problematische Beziehung bahnt sich an. Und dann ist da auch noch der attraktive Roman, der ihr den Hof macht.

Jagd auf unsterbliche Wesen

Georgina hat aber mit noch weiteren Dingen zu kämpfen: Irgendjemand macht in Seattle Jagd auf unsterbliche Wesen. Ein etwas lästiger Vampir wird getötet, ihr bester Freund Hugh (ein Kobold) verprügelt und schließlich auch noch ein Engel ermordet. Jerome und dessen bester Kumpel Carter (ein Engel!) scheinen etwas über den geheimnisvollen Täter zu wissen, rücken aber nicht so recht mit der Sprache heraus. Viel zu spät erkennt Georgina die wahren Zusammenhänge. Ob sie sich und die anderen noch retten kann?

Gut und Böse in „Succubus Blues“

Sukkuben, Vampire, Kobolde, Engel und Erzdämonen – die fantastischen Wesen, die sich da in Seattle tummeln, könnten vielfältiger gar nicht sein. Und irgendwie auch nicht menschlicher. Immerhin saugt Georgina ihren männlichen Opfern nur höchst ungern deren Lebensenergie heraus, während ihr Chef Jerome den ganzen Papierkram für die Unterwelt verabscheut und lieber mit seinem Kumpel Carter einen trinken geht. Auch verschwimmen in „Succubus Blues“ die Grenzen zwischen Gut und Böse, denn Himmels- wie Höllengestalten arbeiten hier Hand in Hand, bewältigen gemeinsam ihre streng strukturieren Pflichten. Das mutet ebenso ungewöhnlich wie alltäglich an.

Mangelhafte deutsche Übersetzung

Hinzu kommt, dass sich Richelle Mead in dem ersten Band ihrer Sukkubus-Reihe manch witzige Dialoge hat einfallen lassen, die die Handlung an genau den passenden Stellen auflockern. So entgeht sie vor allem in den obligatorischen Erotikszenen dem triefenden Kitsch anderer Dämonen-Romane. Leider werden die diversen Wortwitze sowie der eigentlich flüssige und elegante Schreibstil von Richelle Mead durch die deutsche Übersetzung nur allzu oft verschandelt. Natürlich ist es lobenswert, dass Alfons Winkelmann den Originaltitel des Buches beibehalten und lediglich den Untertitel „Komm ihr nicht zu nah“ hinzugefügt hat, aber seine teilweise obskuren Konstruktionen wie etwa ein Satz, in dem vier Mal das Modalverb „können“ verwendet wird, schmälern den Lesefluss (und Genuss) dann doch das ein oder andere Mal. Das ist wirklich ein Jammer, denn immerhin hat es Richelle Mead mit ihrem Stil geschafft, sich von allen gängigen Klischees des Genres zu befreien. Winkelmanns Übersetzung hingegen verankert die Geschichte durch solche Unbeholfenheiten aber in selbigen. Bleibt nur zu hoffen, dass ihm die Übersetzung im zweiten Band „Succubus on Top“ etwas besser gelingt.

Richelle Mead: Succubus Blues. Ubooks, 2009. Taschenbuch, 329 Seiten. Euro 12,95.

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